SPS Retrofit Kosten 2026: Was Steuerungsmodernisierung wirklich kostet
Alte SPS, keine Ersatzteile? S7-300 läuft 2035 aus. Wir modernisieren Ihre Steuerung mit minimaler Stillstandzeit – 30-60% günstiger als Neuanlage. Großregion-Experte.

1.Die Retrofit-Dringlichkeit 2026
„Für Ihre S7-300 haben wir kein Ersatzteil mehr." Diesen Satz hören immer mehr Produktionsleiter in der Großregion – und er markiert den Beginn einer tickenden Uhr.
Als Automatisierungsingenieur mit Sitz in Luxemburg erlebe ich diese Situation wöchentlich: Produktionsanlagen, die seit 20 Jahren zuverlässig arbeiten, stehen plötzlich vor dem Aus. Nicht weil die Mechanik verschlissen ist, sondern weil die Steuerung obsolet wurde.
Die Fakten sind eindeutig:
- Siemens S7-300 Abkündigung: Endgültig seit Oktober 2025 (P.M410)
- Ersatzteilverfügbarkeit: Nur noch bis ca. 2035 über den Primärmarkt
- Legacy-Installationsbasis: 60-70% aller KMU-Anlagen in der Großregion laufen noch auf S5/S7-300
- 85% der KMU arbeiten ohne fortschrittliche Industrie-4.0-Technologie
Regulatorische Deadlines
20. Januar 2027: EU-Maschinenverordnung 2023/1230 tritt in Kraft – bei wesentlichen Änderungen neue CE-Bewertung erforderlich.
Dezember 2025: NIS2 in Deutschland in Kraft – Strafen bis 10 Mio. € oder 2% des weltweiten Jahresumsatzes.
2.Was kostet ein SPS-Retrofit wirklich?
Die häufigste Frage meiner Kunden lautet: „Was wird das kosten?" Die Antwort hängt vom Umfang ab – aber im Vergleich zur Neuanlage ist Retrofit fast immer wirtschaftlicher.
2.1.Kostentabelle nach Retrofit-Umfang
| Retrofit-Umfang | Typische Kosten | Stillstandzeit |
|---|---|---|
| Edge-Gateway-Overlay (Datenerfassung ohne SPS-Änderung) | 1.000–10.000 € | Stunden |
| HMI-Modernisierung (nur Bedienoberfläche) | 5.000–20.000 € | 1–3 Tage |
| Antriebsmodernisierung (Frequenzumrichter) | 10.000–40.000 € | 3–5 Tage |
| SPS-Ersatz (Controller-Tausch) | 30.000–150.000+ € | 1–4 Wochen |
| Komplett-Retrofit mit Sicherheitstechnik | 50.000–200.000+ € | 2–6 Wochen |
2.2.Die 60%-Regel nach Siemens
Branchenfaustregel: Retrofit ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn die Kosten unter 60% des Neumaschinenpreises liegen. In der Praxis bedeutet das:
- Retrofit-Kosten: 30-60% einer Neuanlage
- Amortisation: 12-36 Monate
- ROI-Vorteil: 18-24 Monate vs. 4-6 Jahre bei Neuinvestition
Kostenbeispiel aus der Praxis
Ein dokumentierter Fall zeigt Kosten von nur 10% des Neumaschinenpreises für einen reinen Steuerungsaustausch (Control Engineering/Plus Mark). Bei kompletten Linienretrofits mit HMI, Antrieben und IoT-Integration rechnet Siemens mit etwa 3 Mio. € für die Umrüstung ganzer Legacy-Produktionslinien.
2.3.ROI-Berechnung: Warum Retrofit sich rechnet
Bei durchschnittlichen Stillstandskosten in der Fertigung:
- Fertigung allgemein: 260.000 €/Stunde (Aberdeen Research)
- Automotive: 2,1 Mio. €/Stunde (Siemens True Cost of Downtime 2024)
- Öl & Gas: ~500.000 €/Stunde
Rechenbeispiel: Ein Retrofit für 80.000 € amortisiert sich bereits durch 20 Minuten vermiedene ungeplante Stillstandzeit in der Automobilfertigung – oder durch 18 Stunden in der allgemeinen Fertigung.
3.Retrofit-Projekte in der Großregion
Die Erfolgsbeispiele aus unserer Region zeigen, was möglich ist – und dass die Investitionen messbare Ergebnisse liefern.
3.1.Luxemburg: Leuchtturmprojekte
Husky Technologies Dudelange – FEDIL Innovation Award 2024
- Projekt: NGOM (Next Generation Operating Model) Volldigitalisierung
- Investment: 3,2 Mio. € staatliche Förderung
- Ergebnisse: Lieferzeit von 4-5 Wochen auf unter 1 Woche, Stahl-zu-Form in 17 Minuten
- Technologie: Siemens MindSphere, AGVs mit 5 Tonnen Traglast, digitale Zwillinge
Goodyear Dudelange – Mercury Ultra-Automatisierung
- Projekt: Vollautomatisierte Reifenfertigung mit additiver Fertigung
- Investment: 64 Mio. €
- Kapazität: 500.000 Reifen/Jahr, 4× schneller als Standardverfahren
Guardian Glass Bascharage – Ofenmodernisierung
- Projekt: Floatglas-Linien-Modernisierung
- Förderung: Staatliche Investitionsbeihilfe
- Ergebnis: Verbesserte Energieeffizienz, verlängerte Anlagenlebensdauer
Saarland: Automotive-Transformation
ZF Friedrichshafen Saarbrücken
- Projekt: E-Mobilitäts-Transformation des 9.000-Mitarbeiter-Werks
- Investment: Dreistelliger Mio.-€-Betrag
- Umfang: Komplette Umstellung auf EV-Antriebsproduktion
ZeMA Saarbrücken – Mittelstand-Digital Zentrum
- Angebot: Retrofit-Demonstratoren, 4.000 m² Testfeld
- Partner: Airbus, BMW, Bosch, Daimler, Festo, Ford, Miele, Porsche, VW, ZF
- Für KMU: Kostenlose Testumgebungen für Retrofit-Evaluierung
Regionale Unterstützung nutzen
Das ZeMA bietet KMU aus der Großregion kostenlose Testumgebungen für Retrofit-Evaluierungen. Der L-DIH (Luxembourg Digital Innovation Hub) finanziert 100% der Digital Maturity Assessments.
Mehr zu den aktuellen Automatisierungstrends 2025 in Luxemburg.
4.Der Migrationspfad: S5/S7-300 → S7-1500
Für Best Practices bei der SPS-Programmierung nach der Migration empfehlen wir unseren SPS-Programmierung Leitfaden.
Die technische Migration ist von Siemens vollständig dokumentiert. Die wichtigsten SIOS-Artikel für Ihre Vorbereitung:
| SIOS Article ID | Thema |
|---|---|
| 105106251 | Kompletter S5→S7-1500 Migrationsguide |
| 109478811 | S7-300/400→S7-1500 Migration (Hard- und Software) |
| 62100731 | TIA Portal Migrationsvoraussetzungen |
| 1118413 | S5/S7 Converter Handbuch |
| 109744280 | IE/PB Link PN IO (PROFIBUS-PROFINET-Koexistenz) |
4.1.Migrationspfad im Überblick
SIMATIC S5 → S5/S7 Converter (STEP 7) → STEP 7 V5.x → TIA Portal Migration → S7-1500
4.2.Was automatisch konvertiert wird
- Symboltabellen → PLC-Tags
- AWL-Programme → Strukturierter Text (teilweise)
- Standard-Funktionsbausteine
- Grundlegende Kommunikationsparameter
4.3.Was manuelle Nacharbeit erfordert
- TB/TBN/SU/RU-Befehle (Bit-Test-Operationen)
- Systemdatenbausteine (DB0, DB1, DX0)
- Indirekte Adressierung
- Kommunikationsbausteine (PUT/GET, BSEND/BRCV)
- Failsafe-Funktionen (komplette Neukonfiguration in TIA Portal Safety)

4.4.Hardware-Kompatibilitätsoptionen
Siemens bietet Adapter für schrittweise Migration:
- I/O-Adapter: Wiederverwendung vorhandener S5-Frontstecker an S7-Modulen
- IM 463-2 Interface: Weiterbetrieb von S5-Erweiterungsracks an S7-Aufbaurahmen
- IE/PB Link PN IO: PROFIBUS-PROFINET-Koexistenz für gemischte Netzwerke
- ET 200 Kontinuität: S5 ET 200 dezentrale Peripherie kann mit S7-Systemen weiterlaufen
5.CE-Kennzeichnung nach Retrofit
Die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 ersetzt ab 20. Januar 2027 die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Für Retrofit-Projekte ist entscheidend: Wann wird eine wesentliche Änderung ausgelöst?
5.1.Wesentliche Änderung liegt vor, wenn ALLE Kriterien erfüllt sind:
- Änderung erfolgt nach Inverkehrbringen
- Änderung war vom Hersteller nicht vorgesehen
- Änderung beeinflusst die Sicherheit (neue Gefährdung oder erhöhtes Risiko)
- Neue Schutzeinrichtungen oder Maßnahmen zur Stabilität erforderlich
5.2.Konsequenzen bei wesentlicher Änderung (Art. 18, EU MV 2023/1230)
- Der Durchführende wird zum Hersteller
- Neue Konformitätsbewertung erforderlich
- Neue technische Dokumentation
- Neue EU-Konformitätserklärung
- CE-Kennzeichnung anbringen
- Dokumentation 10 Jahre aufbewahren
5.3.Keine neue CE erforderlich bei:
- Like-for-like Komponentenaustausch (baugleich)
- Routinewartung und Reparatur
- Vom Hersteller vorgesehene Software-Updates
- Produktivitätsoptimierungen ohne Sicherheitseinfluss
Praxisempfehlung
Dokumentieren Sie bei jedem Retrofit-Projekt eine Risikobeurteilung. Selbst wenn keine neue CE erforderlich ist, schützt diese Dokumentation vor Haftungsrisiken.
6.7 Entscheidungskriterien: Retrofit vs. Neuanlage
Die Entscheidung zwischen Retrofit und Neuinvestition hängt von mehreren Faktoren ab. Diese Checkliste hilft bei der Bewertung:
6.1.1. Mechanischer Zustand
- Maschinenbett, Führungen, Spindeln noch funktionsfähig?
- Verschleißteile im akzeptablen Bereich?
6.2.2. Ersatzteilverfügbarkeit
- Steuerungskomponenten noch lieferbar?
- Sekundärmarkt-Preise wirtschaftlich vertretbar?
6.3.3. Produktionsanforderungen
- Bestehende Zykluszeiten ausreichend?
- Qualitätsanforderungen erfüllbar?
6.4.4. Digitalisierungsbedarf
- MES/ERP-Anbindung erforderlich?
- Predictive Maintenance gewünscht?
6.5.5. Energieeffizienz
- IE4/IE5-Motoren wirtschaftlich sinnvoll?
- Frequenzumrichter-Einsatz möglich? (20-50% Energieeinsparung)
6.6.6. Sicherheitscompliance
- CE-Nachrüstung nach EN ISO 13849 notwendig?
- Performance Level (PL) Anforderungen definiert?
6.7.7. Fachkräfteverfügbarkeit
- Legacy-Spezialisten intern vorhanden?
- Schulungsaufwand für neue Technologie vertretbar?
Faustregel: Wenn 5 oder mehr Kriterien für Retrofit sprechen und die Kosten unter 60% des Neupreises liegen – modernisieren statt ersetzen.
7.Stillstandszeiten minimieren
Der größte Kostenfaktor bei Retrofit-Projekten ist oft nicht die Hardware, sondern der Produktionsausfall. Mit der richtigen Planung lässt sich die Stillstandzeit auf 20-50% reduzieren.
7.1.Best Practices nach Siemens und Fraunhofer
Phase 1: Vorbereitung (kein Stillstand)
- Vollständige Programmierung und Simulation in S7-PLCSIM
- Hardware-Vormontage auf Montageplatte
- I/O-Adapter für schnellen Anschluss vorbereiten
- Fall-back-Strategie dokumentieren (S5-Rückkehr möglich halten)
Phase 2: Installation (minimaler Stillstand)
- Wochenend-/Feiertagsinstallation planen
- Alte Steuerung zunächst parallel belassen
- Phasenweise Umschaltung einzelner Anlagenteile
- 24/7-Bereitschaft des Integrators
Phase 3: Inbetriebnahme (überwachter Betrieb)
- Intensive Erstüberwachung vor Ort
- Sofortige Problemlösung
- Dokumentation aller Anpassungen
7.2.Typische Stillstandsreduktion
| Projekttyp | Gesamtdauer | Maschinenstillstand |
|---|---|---|
| Einfache SPS-Migration | 3-4 Wochen | 2-5 Tage |
| Standard CNC-Retrofit | 12-14 Wochen | 4-6 Wochen |
| Edge-Gateway (nur Datenerfassung) | 1-2 Tage | Stunden (bei laufender Produktion) |

8.Fazit: Jetzt handeln – zwei Deadlines rücken näher
Die Fakten sprechen eine klare Sprache:
- 2035-Deadline: Ende der S7-300-Ersatzteilversorgung
- 2027-Deadline: EU-Maschinenverordnung mit neuen CE-Anforderungen
- Jetzt: Optimales Zeitfenster für geplante Modernisierung statt Notfall-Retrofit
8.1.Ihre nächsten Schritte
- Bestandsaufnahme: Welche Steuerungen laufen auf S5/S7-300?
- Priorisierung: Welche Anlagen sind produktionskritisch?
- Budget: Retrofit-Kosten gegen Stillstandsrisiko abwägen
- Zeitplan: Migration vor 2035 einplanen
Als Automatisierungsingenieur in der Großregion unterstütze ich Sie bei der Planung und Umsetzung Ihrer Retrofit-Projekte – von der Erstanalyse bis zur Inbetriebnahme.
Kostenlose Erstberatung
Sie haben eine S5- oder S7-300-Anlage und wollen wissen, ob Retrofit sinnvoll ist? Kontaktieren Sie mich für eine unverbindliche Ersteinschätzung. Als vor Ort ansässiger Ingenieur kann ich Ihre Anlage persönlich begutachten.
9.Weiterführende Ressourcen
- Siemens Industry Online Support (SIOS): support.industry.siemens.com
- ZeMA Saarbrücken – Retrofit-Testfeld: www.zema.de
- L-DIH – Digital Maturity Assessment: www.dih.lu
- EUR-Lex – EU-Maschinenverordnung 2023/1230: eur-lex.europa.eu
- Fraunhofer IOSB-INA – Digitalisierungsbaukasten: www.iosb-ina.fraunhofer.de
Über den Autor: David Prybisch ist Automatisierungsingenieur in Luxemburg und spezialisiert auf SPS-Modernisierung, Retrofit-Projekte und weltweite Inbetriebnahmen. Er unterstützt Unternehmen in der Großregion Saar-Lor-Lux bei der Migration von Legacy-Steuerungen zu modernen S7-1500-Systemen.
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Als Automatisierungsingenieur in Stadtbredimus, Luxemburg biete ich kostenlose Erstberatungen für Unternehmen in der Großregion Saar-Lor-Lux.
David Prybisch · SPS · HMI · Inbetriebnahmen
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